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Einheitliche Verpackungen

Einige Aktivisten und Behörden, die um eine Eindämmung des Tabakkonsums bemüht sind, haben den Regierungen empfohlen, Tabakerzeugnisse in einheitlichen Verpackungen zu verkaufen. Sämtliche Markenmerkmale wie Markenzeichen, Logos, Farben und Grafiken würden von der Verpackung entfernt und der Markenname bei allen Marken in einem einheitlichen Schriftbild aufgedruckt werden. Alle Verpackungen wären mit Ausnahme der obligatorischen Warnhinweise einheitlich weiß, hellbraun oder in einer anderen neutralen Farbe gehalten. Das Ziel der Befürworter von Einheitsverpackungen lautet, Verpackungen von Tabakerzeugnissen unattraktiv zu gestalten, um dadurch das Rauchen bei Jugendlichen und in der Gesamtbevölkerung einzudämmen und die Warnhinweise stärker in den Vordergrund zu rücken.

Die Leitsätze der Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle, die Ende 2008 von der Vertragsstaatenkonferenz formuliert wurden, empfehlen Einheitsverpackungen. Bis heute hat aber kein einziges Land Einheitsverpackungen auf den Markt gebracht.

Unser Standpunkt

In den letzten eineinhalb Jahrzehnten haben die wissenschaftlichen Studien zum Thema Einheitsverpackungen keine glaubwürdigen Beweise geliefert, die für einheitliche Verpackungen sprechen würden. Die Studien haben nicht einmal versucht, einen Sinnzusammenhang zwischen den Motiven von Kindern und Jugendlichen, mit dem Rauchen anzufangen, und Zigarettenverpackungen herzustellen. In vielen Studien weisen die erhobenen Daten sogar darauf hin, dass das Verpackungsdesign bzw. der "Marken-Appeal" keine Rolle dabei spielt, ob jemand raucht oder damit anfängt. Zum Beispiel stellt eine der führenden Studien, die von den Befürwortern von Einheitsverpackungen zitiert wird, fest: "Die meisten Kinder und Jugendlichen bekommen ihre erste Zigarette von Freunden. Dabei entscheiden sie sich nicht für eine bestimmte Marke. Es wird lediglich eine Entscheidung für oder gegen das Rauchen gefällt. Deshalb spielen Marke und Verpackung nur eine sehr geringe Rolle dabei, ob die Jugendlichen anfangen zu rauchen." Das bedeutet, dass eine andere Verpackung keine wesentlichen Auswirkungen auf die Entscheidung(en) für oder gegen das Rauchen haben wird." [1]

Wer sich ausführlich mit dem Thema Einheitsverpackungen auseinandergesetzt hat, ist stets zu der Erkenntnis gekommen, dass die Beweise für die Wirksamkeit der Maßnahme bestenfalls auf Spekulation beruhen.

Die Erfahrung zeigt, dass Einheitsverpackungen wahrscheinlich keinerlei Auswirkungen auf das Ausmaß des Tabakkonsums hätten. Es ist wahrscheinlicher, dass Raucher im Einzelhandel Einheitsverpackungen kaufen oder mit Markenzeichen versehene Verpackungen aus anderen Quellen wie etwa illegalem Zigarettenhandel beziehen, als dass sie aufgrund der Einführung von einheitlichen Verpackungen das Rauchen aufgeben. Ein Beispiel für das Verbraucherverhalten in Bezug auf Einheitsverpackungen ist Kanada: Dort machen illegale Zigaretten Schätzungen zufolge über 30 Prozent des Zigarettenmarktes aus. 70 bis 80 Prozent der illegalen Zigaretten werden in durchsichtigen Plastiktüten ohne jegliche Markenzeichen verkauft. In westlichen Märkten, in denen Waren üblicherweise in Verpackungen mit Markenzeichen verkauft werden, hat das Wegfallen der Markenmerkmale keinerlei negativen Einfluss auf die Verkaufszahlen.

In anderen Branchen werden Güter schließlich häufig ohne Markenzeichen an den Endverbraucher verkauft: Grundnahrungsmittel, Tiefkühlfleisch, Benzin und vieles mehr. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Konsumenten von den Waren ohne Markenzeichen weniger kaufen würden. Hingegen sind die Kunden durchaus auf den Preis des Produktes bedacht.

Wie bei den oben genannten Gütern wird man bei Zigaretten in einheitlichen Verpackungen im Einzelhandel ein Produkt nicht mehr vom anderen unterscheiden können — außer durch den Preis. Das wird unvermeidlich zu einem verstärkten Preisdruck führen, der wiederum vermehrt billige Zigaretten und andere billige Tabakprodukte auf den Markt bringen wird. Dieser Effekt könnte letztendlich sogar zu einem vermehrten Konsum von Tabakerzeugnissen führen.

Es handelt sich hier keineswegs um abstrakte Voraussagen aus der Wirtschaftstheorie. Unabhängigen Analysten aus der Tabakbranche zufolge "wird ein britischer Tabakmarkt mit einheitlichen Zigarettenverpackungen höchstwahrscheinlich durch den Preis diktiert werden. Womöglich wird der Premium-Sektor ganz ausgelöscht." [2] Sie sehen darüber hinaus "eine ernst zu nehmende Gefahr, dass eine einheitliche Markenpräsenz nach und nach zu einem erheblichen Druck auf das Preisspektrum der Branche führt." [3] In einem Bericht über die Pharmabranche aus dem Jahr 2009 befand die Europäische Kommission, dass neue Marktteilnehmer, die generische Produkte vertreiben, ihren Preis üblicherweise 25 Prozent unterhalb des entsprechenden Markenäquivalents ansiedeln. Diese Preisreduzierung führt nach Ansicht der Europäischen Kommission zu einem Konsumanstieg.

Außerdem bietet die Einführung einheitlicher Verpackungen Fälschern und Schmugglern einen ganz wesentlichen Anreiz. Illegaler Handel ist in vielen Ländern bereits ein großes Problem und sowohl Angebot als auch Nachfrage werden in diesem Bereich steigen. Erstens wird es viel leichter, gefälschte Zigaretten herzustellen, wenn alle Marken eines Landes praktisch identisch sind. Zweitens wird sich sicher ein Schwarzmarkt für Verpackungen mit Markenzeichen entwickeln. Auch wenn die Fakten nicht nahelegen, dass Konsumenten aufgrund von einheitlichen Verpackungen weniger rauchen werden, ist es wahrscheinlich, dass Raucher, die die Wahl zwischen einem Produkt mit Markenzeichen und einer Einheitsverpackung haben, sich für das Produkt mit Markenzeichen entscheiden werden, weil es den Eindruck eines Tabakprodukts von höherer Qualität vermittelt. Das bietet Fälschern von Verpackungen mit Markenzeichen und Verkäufern von Schmuggelware nur noch mehr Anreiz.

Vor allem die negativen Auswirkungen einheitlicher Verpackungen, also billigere Zigaretten und ein größerer Schwarzmarkt, werden junge Raucher am meisten treffen. Es ist zur Genüge bekannt, dass jüngere Raucher beim Kauf von Tabakerzeugnissen preisorientierter vorgehen als andere Raucher. Außerdem gelangen billige, illegale Zigaretten unverhältnismäßig oft in die Hände junger Raucher, weil die Kriminellen, die diese verkaufen, keine Alterskontrollen vornehmen. Aus diesen Gründen werden insbesondere junge Menschen vom Preisverfall der Tabakprodukte, von der Verbreitung billiger, generischer Zigaretten und von der Zunahme des illegalen Handels betroffen sein, die auf die Einführung einheitlicher Verpackungen folgen werden.

Einheitliche Verpackungen werfen auch ernstzunehmende rechtliche Fragen auf. Markenzeichen sind eine Art von geistigem Eigentum und stehen unter dem Schutz und der Anerkennung nationaler Gesetze und internationaler Handelsabkommen. Einheitliche Verpackungen würden diesen rechtlichen Schutz in ungerechtfertigter Weise verletzen. Der Schutz des geistigen Eigentums ist nicht auf den Markennamen beschränkt, sondern beinhaltet auch andere Elemente wie Logos, spezielle Farbenkombinationen, Schriftarten, Warenzeichen und sonstige Designmerkmale. Die Markenzeichen der Tabakbranche zählen zu den wertvollsten der Welt und werden auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt. Bestimmungen zur Verwendung von Einheitsverpackungen, die ausdrücklich auf die Abschaffung dieser Elemente abzielen, bedeuten eine Enteignung des geistigen Eigentums, sodass die Regierungen in Folge mit Schadenersatzklagen der Tabakhersteller konfrontiert sein werden.

Anstatt einheitliche Verpackungen einzuführen, was eine nicht erprobte, spekulative Maßnahme darstellt, die wahrscheinlich das Gegenteil von dem bewirken wird, was die Regierungen sich wünschen, könnten sie bewährte, effiziente Maßnahmen treffen, um das Rauchen bei Kindern und Jugendlichen einzudämmen und sich mit den Befürchtungen über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens auseinandersetzen. Dazu zählen die strenge Umsetzung von Gesetzen, die den Verkauf von Tabakprodukten an Minderjährige verbieten, verpflichtende Verkaufslizenzen für Einzelhändler und die Unterstützung von Aufklärungs- und Informationskampagnen.

[1] Expert Panel Report for Health Canada, When Packages Can’t Speak: Possible Impacts of Plain and Generic Packaging of Tobacco Products National Survey of Teens: Knowledge, Attitudes, Beliefs and Smoking Behaviours at 184 (März 1995).

[2] Reuters (2. Juni 2008)

[3] Morgan Stanley (30. Januar 2007)

Weiterführende Downloads

LALIVE-Memo – 2009PDF