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Viele Länder regulieren die Zusatzstoffe in Tabakprodukten. Über 50 Länder verpflichten die Tabakhersteller die Zusatzstoffe den zuständigen Behörden offenzulegen, die sie in ihren Produkten verwenden. Zu diesen Ländern zählen alle Mitgliedsstaaten der EU, Brasilien, Mexiko, die Ukraine, die Türkei, Israel und Thailand. Darüber hinaus gibt es in einigen Ländern Regelungen für die Zusatzstoffe, die in Tabakprodukten zugelassen sind. Dazu zählen Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
Bisher liegt noch keine umfassende wissenschaftliche Grundlage für die Regulierung von Zusatzstoffen in Tabakprodukten vor. Es gibt heute noch keine international anerkannten wissenschaftlichen Messverfahren zur Beurteilung der Zusatzstoffe in Tabakprodukten. Um dies in Angriff zu nehmen, haben die Vertragsparteien des Rahmenabkommens zur Tabakkontrolle eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich damit befasst, Richtlinien für das Testen und die Regulierung von Zusatzstoffen in Tabakprodukten vorzuschlagen. Im Jahr 2007 stellte die Arbeitsgruppe fest, dass es sich hier um "einen wachsenden Bereich handelt" und dass "mehr Bemühungen [erforderlich sind], um diese Problematik besser zu verstehen".[1]
Verfechter der Tabakkontrolle und Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben behauptet, dass Zusatzstoffe die Toxizität und die Suchtgefahr von Zigaretten erhöhen. Allerdings hat die WHO auch erklärt, dass man Zigaretten ohne Zusatzstoffe (d. h. Marken ohne Zusatzstoffe) "bisher niemals nachweisen konnte, dass sie weniger gesundheitsgefährdend sind oder weniger süchtig machen als ... Zigaretten" mit Zusatzstoffen. Des Weiteren haben Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens argumentiert, dass Zusatzstoffe der Gesundheit schaden, weil sie Zigaretten schmackhafter oder attraktiver machen. Einige Sprecher von Gesundheitsorganisationen fordern schon allein deswegen ein Verbot von Zusatzstoffen, um die Attraktivität von Tabakprodukten zu vermindern. Im Jahr 2010 kam der Wissenschaftliche Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken (SCENIHR = European Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) zu dem Schluss, dass es keine Hinweise dafür gebe, dass Zusatzstoffe die Suchtgefahr von Tabakprodukten erhöhen und stellte fest, dass es außerordentlich schwer ist, die Rolle individueller Zusatzstoffe im Hinblick auf die „Attraktivität” von Tabakprodukten zu bewerten.
Unser Standpunkt
Wir befürworten Gesetze, die Tabakhersteller verpflichten, Aufsichtsbehörden und die Öffentlichkeit über sämtliche Zusatzstoffe in ihren Tabakprodukten zu informieren. Die Informationen zu Zusatzstoffen , die wir bereits in vielen Ländern offengelegt haben, sind der Öffentlichkeit auf dieser Website zugänglich.
Allerdings sollten Regelungen die genaue Zusammensetzung der Marken-Rezepturen der Hersteller schützen. Eine Offenlegung dieser Informationen würde weit reichenden Schaden anrichten, da sowohl Wettbewerber eines Produzenten als auch kriminelle Organisationen, die gefälschte Zigaretten produzieren, davon profitieren würden. Das Ziel des öffentlichen Gesundheitswesens, Zusatzstoffe anzugeben, kann auch erreicht werden, ohne die Hersteller zu verpflichten, genaue Markenrezepturen preiszugeben. Wenn jedoch ein adäquater Schutz unserer Geschäftsgeheimnisse gewährleistet werden kann, unterstützen wir Gesetze, die die Offenlegung der Formeln an Aufsichtsbehörden vorsehen.
Wir sind auch der Meinung, dass gesetzliche Bestimmungen zur Beurteilung der in Tabakprodukten zulässigen Zusatzstoffe entwickelt werden sollten. Es sollten Testverfahren auf Basis von objektiven wissenschaftlichen Standards erarbeitet werden, wobei bestehende toxikologische Teststandards und Untersuchungen herangezogen werden sollten, die von internationalen Institutionen wie der OECD, der WHO und dem Deutschen Institut für Normung (DIN)[2] anerkannt sind.
Die Beurteilung von Zusatzstoffen sollte Aufschluss darüber geben, ob diese die natürliche Toxizität des Tabakrauchs signifikant erhöhen. Im Jahr 2001 erklärte das U.S.-amerikanische Institute of Medicine anerkannt sind.
Die Beurteilung von Zusatzstoffen sollte Aufschluss darüber geben, ob diese die natürliche Toxizität des Tabakrauchs signifikant erhöhen. Im Jahr 2001 erklärte das U.S.-amerikanische Institute of Medicine
Nach unserem Kenntnisstand gibt es derzeit noch keine objektiven Tests, mit denen gemessen werden kann, ob der Rauch einer Zigarette mit einem oder mehreren Zusatzstoffen süchtiger macht als der Rauch einer Zigarette ohne Zusatzstoffe.
Sowohl epidemiologische Beobachtungen (in denen ein Vergleich zwischen Ländern angestellt wird, in denen der Großteil aller Zigaretten mit Aromastoffen versehen sind und Ländern, in denen die meisten Zigaretten ohne Aromastoffe angeboten werden) als auch unsere umfassenden toxikologischen Testreihen geben uns Grund zu der Überzeugung, dass die von uns verwendeten Zusatzstoffe die inhärente Toxizität von Tabakrauch nicht erhöhen. Dieselben epidemiologischen Beobachtungen deuten unserer Meinung darauf hin, dass die von uns verwendeten Zusatzstoffe die natürliche Suchtgefahr von Tabakrauch nicht erhöhen. Laut den Aussagen der WHO und anderer Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens gibt es heute noch keinen Wissenschaftszweig, der beurteilen kann, ob Zigarettenmarken mit Zusatzstoffen die Toxizität oder den Suchtgrad stärker erhöhen als Zigarettenmarken ohne Zusatzstoffe.
Ein Verbot von Zusatzstoffen zur Reduzierung bzw. vollständigen Beseitigung der Schmackhaftigkeit oder Attraktivität von Tabakprodukten lehnen wir ausdrücklich ab. Gesetzliche Regelungen sollten Tabakproduzenten nicht dazu zwingen, Produkte zu vermarkten, die auf keinerlei Nachfrage treffen. Erwachsene Raucher sollten nach wie vor die Möglichkeit haben, die für sie ansprechenden Produkte zu erwerben. Eine Regulierung nach dem Motto "macht, dass es schlecht schmeckt" verfehlt ebenfalls ihre Wirkung, da ein Verbot von Zusatzstoffen erwiesenermaßen nicht dazu führt, dass weniger geraucht wird.
Millionen von Rauchern in Ländern wie China, Großbritannien, Südafrika, Kanada und Australien rauchen heute Zigaretten, die keinerlei Aromastoffe enthalten (Zigaretten bestehend aus Virginia-Mischungen). Zusatzstoffe machen Marken für diese Raucher nicht "attraktiver" oder "schmackhafter". In diesen Ländern hat ein Verbot von Zusatzstoffen demnach wenig oder gar keine Auswirkungen auf die Marken, die in diesen Ländern geraucht werden.
In Ländern wie den USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, Brasilien, Mexiko, Japan und vielen mehr hat ein Verbot von Zusatzstoffen dagegen Einfluss auf den Großteil aller Marken. Die Raucher in diesen Ländern verlieren damit die Möglichkeit, die von ihnen bevorzugten Marken zu erwerben und zu rauchen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil die WHO und andere Institutionen entschieden haben, dass ihre Marken "zu reizvoll" sind. Jedoch gibt es keinerlei Daten, die auch nur ansatzweise belegen, dass die Raucher in diesen Ländern das Rauchen aufgeben oder reduzieren werden, da sie nur noch Zigaretten ohne Zusatzstoffe kaufen können. Wahrscheinlicher ist es, dass sie Zigaretten ohne Zusatzstoffe rauchen werden, genau wie die Raucher in China, Großbritannien, Südafrika und Kanada es zu diesem Zeitpunkt tun.
Der so genannte Nutzen für die öffentliche Gesundheit ist durch ein Verbot von Zusatzstoffen also völlig spekulativ. Die einzigen wirklichen Nutznießer eines Verbotes von Zusatzstoffen sind die Hersteller von Zigarettenmarken ohne Aromastoffe – und die klaren Verlierer sind die Hersteller von Marken, die Aromastoffe verwenden, sowie die Konsumenten, die diese Marken bevorzugen.
Ein Verbot von Zigaretten aus Tabakmischungen wird darüber hinaus höchstwahrscheinlich den illegalen Handel sowie den Umsatz von grenzüberschreitendem Handel ankurbeln – zwei Phänomene, die bereits in vielen Ländern auf der ganzen Welt äußerst problematisch sind. Wenn Kunden Zigaretten mit traditionellen Tabakmischungen den übrigen Produkten vorziehen, so werden sie das von ihnen bevorzugte Produkt im Ausland, über das Internet oder auf dem Schwarzmarkt erwerben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dadurch kriminelle Vereinigungen oder organisierte Verbrechernetzwerke einen verstärkten illegalen Handel mit Zigaretten betreiben. Das Ergebnis ist eine erhöhte Kriminalität auf lokaler Ebene. Auch die Staatseinnahmen werden sinken, obschon dies keinem verringerten Konsum gegenübersteht. Legal hergestellte Produkte werden nämlich häufig einfach durch geschmuggelte Ware ersetzt.
[1] Vertragsstaatenkonferenz der WHO Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle, Zweite Sitzung, Ausarbeitung von Leitsätzen für die Umsetzung der Konvention (Entscheidung FCTC/COP1(15)), Artikel 9: Produktregulierung (2007)
[2] DIN (2004) Toxikologische Bewertung von Zusatzstoffen für Tabakprodukte - Ein Leitfaden, 1. Auflage, DIN-Fachbericht 133. Deutsches Institut für Normung. Berlin: Beuth Verlag GmbH.