Transformation klingt oft groß, strategisch und durchgeplant. In der Realität verläuft sie selten so ordentlich. Özlem Dikmen kennt beide Seiten: die Folien – und das, was danach kommt. Seit 16 Jahren bei Philip Morris begleitet sie den Wandel des Konzerns in unterschiedlichen Schlüsselrollen: im Marketing, als Vice President für Osteuropa sowie in internationalen Führungs- und strategischen Funktionen.
Zuletzt leitete sie das Geschäft in Österreich, seit April verantwortet sie als Managing Director Germany & Austria zwei zentrale europäische Märkte. Im Gespräch spricht sie über unternehmerische Transformation, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Frage, warum Vertrauen am Ende an konkreter Umsetzung hängt – nicht nur an der Strategie.
Özlem, Transformation ist ein großes Wort. Wann wird sie in der Realität spürbar?
Özlem Dikmen: Wenn es unbequem wird. Solange Transformation nur gut klingt, ist sie oft noch Theorie. In der Praxis bedeutet sie, Entscheidungen zu treffen, in bestehende Strukturen einzugreifen und konsequent dranzubleiben – über Jahre hinweg. Es gibt keinen klaren Startpunkt und keinen Moment, an dem man sagen kann: Jetzt sind wir fertig.
Was heißt das konkret für euch als Unternehmen?
Dass wir uns wirklich verändern und nicht nur darüber sprechen. Wir investieren seit Jahren in rauchfreie Alternativen und treiben den Umbau unseres Geschäftsmodells konsequent voran. Das ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess. Und der funktioniert nur, wenn man bereit ist, Dinge grundsätzlich zu hinterfragen.
Philip Morris betont immer wieder Verantwortung als Unternehmen. Was heißt das in der Praxis?
Dass man bei Grundsatzfragen klar bleibt. Ein Beispiel ist der Jugendschutz: Für uns gilt sehr eindeutig: kein Nikotin unter 18. Das ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil von verantwortungsvollem Handeln. Gerade in Transformationsphasen muss klar sein, wofür man steht.
Ein Punkt, den du besonders betonst, ist die Durchsetzung von Regeln. Warum?
Weil Vertrauen daran hängt. Wenn Regeln bestehen, aber nicht durchgesetzt werden. Etwa bei illegalen Warenströmen oder Schattenmärkten, dort entsteht ein Ungleichgewicht. Das betrifft Staaten ebenso wie Unternehmen, Investitionen und fairen Wettbewerb. Märkte funktionieren nur, wenn sie verlässlich sind.
Woran erkennst du persönlich, ob eine Transformation funktioniert?
Daran, wenn sie im Alltag funktioniert. Nicht an der Strategie, sondern daran, ob die Dinge tatsächlich umgesetzt werden. Oder anders gesagt: Wandel gelingt dann, wenn er nicht mehr groß klingt, sondern einfach Teil der Realität geworden ist.