Noch bis zum 15. Juni 2026 läuft auf dem EU-Portal „Have Your Say" eine öffentliche Konsultation, die weitreichende Folgen haben könnte: Die Europäische Kommission sammelt Meinungen zur Überarbeitung der europäischen Tabakregulierung.
Was dort entschieden wird, betrifft nicht nur die Tabakindustrie – sondern die gesamte Wertschöpfungskette, den Handel, Zulieferer und Millionen von Konsumentinnen und Konsumenten in ganz Europa. Wir haben Valentine Baumert gefragt, was das Ganze bedeutet.
1. Valentine, die EU überarbeitet ihre Tabakregeln. Worum geht es da eigentlich?
Valentine: Die EU nimmt sich die Tabakproduktrichtlinie und die Tabakwerberichtlinie vor: Die beiden Regelwerke, die bestimmen, welche Tabak- und Nikotinprodukte wie in Europa verkauft werden dürfen, wie die Produkte aussehen, was sie enthalten dürfen und wie sie beworben werden dürfen. Die aktuellen Fassungen stammen von 2014 und seitdem hat sich enorm viel getan: E-Zigaretten, erhitzte Tabakprodukte, Nikotinbeutel – vieles davon existierte damals noch gar nicht oder nicht in seiner heutigen Form. Jetzt wird geprüft, ob und wie die Regeln angepasst werden. Und weil das am Ende bestimmt, was erwachsene Konsumentinnen und Konsumenten in Zukunft kaufen und nutzen können, betrifft es letztlich uns alle.
2. Was genau ist dieser „Call for Evidence"?
Im Grunde eine öffentliche Anhörung, bevor ein neues Gesetz entsteht. Die Kommission sagt: Wir planen Änderungen und wollen vorher wissen, was die Menschen dazu denken. Über das EU-Portal kann jede Bürgerin und jeder Bürger ein persönliches Statement einreichen. Das ist kein Like-Button, sondern ein echtes demokratisches Instrument. Die Rückmeldungen fließen direkt in die Analyse ein, auf deren Basis der Gesetzesvorschlag formuliert wird.
3. Was steht konkret auf dem Spiel?
Die Kommission erwägt unter anderem ein EU-weites Aromaverbot für E-Zigaretten, Einheitsverpackungen, strengere Werberegeln und eine Ausweitung der Regulierung auf Produkte, die bisher gar nicht erfasst sind. Die übergeordneten Ziele der EU-Kommission unterstützen wir natürlich. Die Frage ist nur: Wie kommt man dahin? Wenn alle Nikotinprodukte gleich streng reguliert werden, egal ob Zigarette oder nachweislich weniger schädliche Alternative, nimmt man Rauchern den Anreiz zum Umstieg. Schweden macht es anders und hat mit fünf Prozent die niedrigste Raucherquote Europas, eben weil dort viele Menschen in Folge differenzierter Regulierung auf verbrennungsfreie orale Nikotinprodukte umgestiegen sind.
4. Warum sollten möglichst viele Menschen mitmachen?
Weil nur gehört wird, wer sich äußert. Diese Konsultation ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Bürgerinnen und Bürger direkt auf europäische Gesetzgebung Einfluss nehmen können, noch bevor ein Entwurf auf dem Tisch liegt. Es geht uns nicht darum, eine bestimmte Antwort vorzugeben. Es geht darum, dass die Vielfalt der Meinungen sichtbar wird. Je breiter die Entscheidungsgrundlage, desto besser das Ergebnis.
5. Wie nimmt man teil – und wie viel Zeit bleibt?
Ein paar Minuten reichen. Auf der „Have Your Say"-Seite der EU-Kommission nach der Konsultation zu Tabakprodukten suchen, „Feedback geben" klicken, einloggen und ein persönliches Statement schreiben – maximal 4.000 Zeichen, also ungefähr eine DIN-A4-Seite. Wichtig: Es muss ein eigener, individueller Text sein. Die Frist endet am 15. Juni 2026 um Mitternacht. Also: Wer etwas zu sagen hat, sollte es jetzt tun. Mehr Infos findet man außerdem hier
Valentine Baumert ist Managerin für Public Affairs & Campaigns bei Philip Morris Germany und koordiniert die Kommunikation rund um die EU-Konsultation zur Überarbeitung der Tabakproduktrichtlinie.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD)?
Das zentrale EU-Regelwerk für Herstellung, Verpackung, Kennzeichnung und Verkauf von Tabak- und Nikotinprodukten. Die aktuelle Fassung stammt aus 2014 und wird derzeit überarbeitet.
Was ist ein Call for Evidence?
Ein öffentliches Konsultationsverfahren der EU-Kommission, bei dem alle Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung zu geplanten Gesetzesänderungen einbringen können – bevor ein konkreter Vorschlag vorgelegt wird.
Wer kann teilnehmen?
Alle EU-Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen, Unternehmen, NGOs und akademische Einrichtungen – über das „Have Your Say"-Portal der EU-Kommission.
Bis wann kann man Feedback einreichen?
Der Call for Evidence läuft bis zum 15. Juni 2026, Mitternacht Brüsseler Zeit. Eine weiterführende öffentliche Konsultation ist bis zum 14. August 2026 geöffnet.
Was passiert mit den Beiträgen?
Sie fließen in die Folgenabschätzung der EU-Kommission ein – die Grundlage für den Gesetzesvorschlag, der voraussichtlich Ende 2026 kommt.