Man kann darüber schimpfen. Man kann es auch verstehen. Vor allem aber sollte man die richtigen Schlüsse daraus ziehen, bevor Deutschland die Tabaksteuer auf einen Schlag drastisch anhebt.
Produkt + Preiserhöhung = weniger Konsum?
Hinter jeder Steuererhöhung steckt dieselbe Annahme: Wird das Produkt teurer, konsumieren die Menschen weniger. In einem Land mit offenen Grenzen und günstigen Nachbarn stimmt diese Rechnung nur auf dem Papier.
Schon heute stammt etwa jede sechste in Deutschland konsumierte Zigarette aus dem Ausland.¹ Bei den Sticks für erhitzten Tabak ist der Effekt regional noch dramatischer, wie man z.B. in Teilen Ostdeutschlands sieht: Dort stammen in einzelnen Postleitzahlgebieten bis zu neun von zehn konsumierten Tabaksticks nicht aus Deutschland. Und auch die Hauptstadt ist längst betroffen: In Berliner Postleitzahlgebieten liegt der Auslandsanteil je nach Lage zwischen 43 und 57 Prozent.²
Bereits jetzt beobachten wir bei den aktuell hohen Preisen eine deutliche Verschiebung: Der Anteil nicht in Deutschland versteuerter Zigaretten ist von 17,0 % im ersten Quartal 2026 auf 21,5 % im zweiten Quartal 2026 gestiegen – ein Plus von 4,5 Prozentpunkten innerhalb eines Quartals.³ Das hat direkte Folgen für den Fiskus: Ein Anstieg um fast fünf Prozentpunkte entspricht rechnerisch fast 1 Mrd. Euro weniger Tabaksteuereinnahmen für Deutschland.⁴
Was passiert, wenn man es übertreibt
Je größer die Preislücke zum Ausland wird, desto mehr Menschen weichen aus. Die einen kaufen legal jenseits der Grenze. Die anderen landen beim illegalen Handel, und das ist eine andere Liga. Wer wissen will, wohin eine zu steile Kurve führt, schaut nach Frankreich. Dort stammt inzwischen mehr als jede zweite Zigarette aus Schmuggel oder Fälschung.¹
Mit dem Schwarzmarkt kommt nie nur die billige Ware. Es kommen kriminelle Strukturen und der Verkauf an jeden, der zahlt, auch an Minderjährige. Genau die Alterskontrolle, die im legalen Handel selbstverständlich ist, fällt hier komplett weg. In Frankreich liegt der Anteil des nicht im Land versteuerten Konsums bei 54 %, in den Niederlanden bei 45 % – jeweils mit weiter steigender Tendenz (+5 bzw. +6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). In Australien sind es 28 %, mit dem stärksten Anstieg von +8 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres.⁵
Es gibt einen klügeren Weg
Ich bin nicht gegen höhere Tabaksteuern. Ich bin gegen unkluge. Österreich zeigt, wie es anders geht: kleine, planbare Schritte, mehrere Jahre im Voraus angekündigt. Planbar für den Handel, verkraftbar für die Konsumenten, verlässlich für den Staatshaushalt. Kein Sprung, der die Leute über die Grenze treibt, sondern ein Pfad, dem sie folgen können.
Schon der jetzige Anstieg um fast fünf Prozentpunkte entspricht rechnerisch fast einer Milliarde Euro weniger Tabaksteuereinnahmen. Jeder weitere Prozentpunkt vergrößert diese Lücke. Der Staat riskiert so nicht nur, dass Volumen aus dem legalen deutschen Markt abwandert, sondern auch sinkende Steuereinnahmen. Und das, obwohl höhere Einnahmen das erklärte Ziel der Steuererhöhungen sind.
Eine Steuer soll Verhalten lenken. Aber sie lenkt nur, solange die Menschen im Land bleiben. Wer zu steil erhöht, verändert nicht das Rauchverhalten. Er verlagert es. Und finanziert im Zweifel den Schwarzmarkt gleich mit.
¹ KPMG, Illicit cigarette and heated tobacco consumption, and oral nicotine share in Europe. Results 2025 (Juni 2026)
² IQOS User Survey by IPSOS; Oktober 2024 bis September 2025; 6.500 Befragte (Antworten aus allen 12 Monaten pro User)
³ IPSOS Gelbe Sack Erhebung & WSPM Leerpackungssammlung Straße (vorläufige Ergebnisse, Q1/Q2 2026)
⁴ Eigene Berechnung auf Basis der Destatis Tabaksteuerstatistik
⁵ KPMG Report 2025 (Frankreich, Niederlande; ggü. 2024); WSPM Empty Pack Survey 2025 (Australien; ggü. 2024)