Go to main content

Steuer rauf, Einnahmen runter? Warum der Plan der Regierung nach hinten losgehen kann

Die Bundesregierung will die Tabaksteuer bis 2030 kräftig anheben. Mehr Geld für den Staat, weniger Raucher – so der Plan. Doch die Rechnung könnte teuer scheitern. Der Blick über die Grenze zeigt, warum.

Es reicht ein Parkplatz an der sächsischen Grenze, um das Problem zu sehen. Menschen fahren kurz nach Polen, kaufen ihre Zigaretten stangenweise, laden sie in den Kofferraum. Kein Schmuggel. Kein Verbrechen. Nur der Griff zum günstigeren Preis, gleich hinter der Grenze.

Und genau hier beginnt das Dilemma.

Das Versprechen: teurer = weniger

Hinter jeder Steuererhöhung steckt dieselbe Hoffnung: Wird das Produkt teurer, konsumieren die Leute weniger. Das funktioniert leider nur auf dem Papier.

Schon heute stammt jede sechste in Deutschland gerauchte Zigarette aus dem Ausland.¹ In Teilen Ostdeutschlands sind es bei erhitztem Tabak bis zu neun von zehn Sticks. Selbst in Berlin liegt der Auslandsanteil je nach Stadtteil zwischen 43 und 57 Prozent.²

Und die Bewegung ist schon jetzt messbar: Der Anteil nicht in Deutschland versteuerter Zigaretten sprang binnen eines Quartals von 17 auf 21,5 Prozent.³ Macht rechnerisch fast eine Milliarde Euro weniger Steuereinnahmen – in nur drei Monaten.⁴

Der Beweis liegt in der Vergangenheit

Das alles gab es schon einmal. Zwischen 2002 und 2005 schraubte Deutschland die Tabaksteuer jährlich um rund 13 Prozent nach oben.⁵ Das Ergebnis:

  • Der legale Zigarettenabsatz brach um mehr als ein Drittel ein.⁵
  • Grenzkäufe verdoppelten sich auf über 20 Prozent des Marktes.⁶
  • Der Anteil der Raucher sank kaum – von 23,5 auf 22,9 Prozent.⁷
  • Dem Staat entgingen am Ende rund 8,4 Milliarden Euro gegenüber der eigenen Prognose.⁸

Viel höhere Preise, kaum weniger Raucher, deutlich weniger Geld. Ein teures Lehrstück.

Wohin es führen kann: Frankreich

Wer sehen will, wie die Kurve endet, wenn man sie zu steil zieht, schaut nach Frankreich. Dort ist nach Jahren immer neuer Steuererhöhungen mehr als jede zweite Zigarette nicht mehr im Land versteuert – 54 Prozent. In den Niederlanden sind es 45 Prozent, in Australien 28, mit dem stärksten Anstieg von 8 Prozentpunkten in nur einem Jahr.⁹

Ein Teil davon sind legale Auslandskäufe. Der andere ist der illegale Markt. Und mit dem kommt nie nur die billige Ware. Es kommen kriminelle Strukturen. Und der Verkauf an jeden, der zahlt – auch an Minderjährige. Die Alterskontrolle, im Laden selbstverständlich, fällt hier komplett weg.

Es geht auch klüger

Niemand muss gegen höhere Tabaksteuern sein. Man sollte nur gegen unkluge sein. Österreich macht vor, wie es geht: kleine, planbare Schritte, Jahre im Voraus angekündigt. Kein Sprung, der die Leute über die Grenze treibt, sondern ein Pfad, dem sie folgen können.

Dazu kommen zwei oft übersehene Hebel:

Erhitzter Tabak

Steigt die Zigarettensteuer, steigt in Deutschland automatisch auch die Steuer auf erhitzten Tabak – und das Preisgefälle zum Ausland wächst weiter. Eine Besteuerung, die diese Wanderung bremst, könnte hierzulande versteuerte Mengen sichern.¹⁰

Nikotinbeutel

Rund 1,5 Millionen Menschen nutzen sie¹¹, doch ein faktisches Verkaufsverbot drängt den Handel in den Graubereich. Jeder sechste Shop verkauft sie unter der Theke, ein Drittel der Stichprobe ist gefälscht.¹² Eine Regulierung mit Steuer würde den Markt kontrollierbar machen, den Jugendschutz stärken und dem Staat im Schnitt rund 500 Millionen Euro im Jahr bringen.¹³ 15 EU-Länder haben das längst geregelt.

Das Fazit

Eine Steuer soll Verhalten lenken. Aber sie lenkt nur, solange die Menschen im Land bleiben. Wer zu steil erhöht, ändert nicht das Rauchverhalten – er verlagert es. Und finanziert im Zweifel den Schwarzmarkt gleich mit.

Mehr Artikel von Philip Morris zur Tabaksteuer finden Sie hier: 

Was ein voller Kofferraum über deutsche Steuerpolitik verrät. Ein Standpunkt von Özlem Dikmen, Geschäftsführerin Philip Morris Germany

Warum höhere Tabaksteuern dem Staat weniger Geld bringen können: 6 Fragen an Tammo Körner

Quellen

¹ KPMG, Illicit cigarette and heated tobacco consumption, and oral nicotine share in Europe. Results 2025 (Juni 2026)
² IQOS User Survey by IPSOS; Oktober 2024 bis September 2025; 6.500 Befragte (Antworten aus allen 12 Monaten pro User)
³ IPSOS Gelbe Sack Erhebung & WSPM Leerpackungssammlung Straße (vorläufige Ergebnisse, Q1/Q2 2026)
⁴ Eigene Berechnung auf Basis der Destatis Tabaksteuerstatistik
⁵ Statistische Bundesamt (Tabaksteuerstatistik).
⁶ DZV, HWWI, KPMG Project Star 2006.
⁷ Statistisches Bundesamt (Destatis): Mikrozensus – Fragen zur Gesundheit: Rauchgewohnheiten der Bevölkerung 2003 und 2005.
⁸ Statistische Bundesamt (Tabaksteuerstatistik); Arbeitskreis Steuerschätzungen.
⁹ KPMG Report 2025 (Frankreich, Niederlande; ggü. 2024); WSPM Empty Pack Survey 2025 (Australien; ggü. 2024)
¹⁰ Tabaksteuergesetz
¹¹ BfR (2023): ”ne dicke Lippe riskieren?” – Nikotinbeutel, in: BfR2GO, 1/2023, S. 32-35.
¹² Ipsos (2025): Bundesweite Handelsanalyse zur Verfügbarkeit tabakfreier Nikotinbeutel in Deutschland, durchgeführt im Auftrag    von Philip Morris International (PMI)
¹³ Eigene Berechnungen